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Wer Agilität predigt, sollte neben gut gereiftem Wein auch Espresso auf der Karte haben

Fundierte Beratung erfordert nicht zwangsläufig viel Zeit. Mit einer Organisationalen Kurzanalyse finden Führungskräfte schnelle Orientierung in komprimierter Form.

Auch der längste Weg – so heißt es – beginnt mit einem ersten Schritt. Mitunter reicht aber auch ein erster Schritt, um herauszufinden, dass eine andere Entwicklungsrichtung vielversprechender oder die aktuelle Position besser als gedacht ist. Entscheidend ist dieser kluge erste Schritt, der Klarheit über die Situation und Handlungsoptionen verschafft. Ein solch fundierter Deep Dive lässt sich häufig in erstaunlich kurzer Zeit vollführen.

So gab es vor einiger Zeit Unsicherheiten bei einer Münchener IT-Beratung über den Status Quo und die Veränderungsoptionen ihrer Unternehmensorganisation.

Das IT-Unternehmen war in den vergangenen Jahren sehr schnell gewachsen. Bei einer Größe von mehr als 500 Mitarbeitern stellte sich die Frage, ob die Strukturen noch den künftigen Erfordernissen entsprachen oder umgebaut werden müssten. Wäre es an der Zeit, einzelne Bereiche der Organisation sauberer zu trennen? Benötigt ein Unternehmen dieser Größe eventuell eine zusätzliche Hierarchieebene? Fragen wie diese rufen seit jeher Organisationsberatungen auf den Plan – die veränderten Rahmenbedingungen für Unternehmen in der VUCA-Welt bedeuten aber, dass auch an Beratungsprojekte der Anspruch, schnell und agil zu sein gestellt wird.

Deshalb an dieser Stelle das Plädoyer für ein junges Format:  die “Organisationale Kurzanalyse”

Viele Marktteilnehmer, Unternehmen, aber auch einzelne Führungskräfte sind heute mit zunehmendem Tempo unterwegs. Die Zeit, die ihnen zum Analysieren und Sortieren ihrer Handlungsoptionen bleibt, wird immer kürzer – oder zumindest erscheint es ihnen so. Langfristige Strategien und Prozesse werden zunehmend durch agile Prozesse, Sprints und Hacks abgelöst. Gleichwohl entpuppen sich Beratungsprojekte, die Organisationen eigentlich zu mehr Agilität verhelfen sollten, oft als bürokratische, zeitfressende Ungetüme.

Wir glauben daher, dass es an der Zeit ist für ein Beratungsformat in kleinen, agilen Schritten, das Entscheiderinnen und Organisationen binnen kürzester Zeit Durchblick und Handlungsfähigkeit verschafft. Wir haben dieses Konzept, das diesem Bedarf an Ad hoc-Orientierung Rechnung trägt, „Organisationale Kurzanalyse“ getauft. Genauso gut hätten wir es aber auch „Espresso-Analyse“ nennen können, denn unser Konzept ist genau wie ein kleiner Arabica: kurz, kräftig und hochkonzentriert. Dabei analysiert eine Task Force von Beraterinnen binnen einer Woche die relevanten Fragestellungen des Klienten, führt 1:1-Sondierungsgespräche mit den entscheidenden Akteuren in seiner Organisation und analysiert die relevanten Dokumente. Die Ergebnisse dieser Sondierung werden im Anschluss in einem halbtägigen Mini-Workshop mit dem engeren Führungszirkel, einer Mitarbeiterkonferenz oder einer gemeinsamen Tiefenreflexion mit der Auftraggeberin reflektiert.

Für eine solche Instant-Analyse, die in begrenzter Zeit fundierte Analysen generieren soll, ist ein organisationswissenschaftlicher fundierter Ansatz ideal. Indem sowohl die Formalstruktur als auch die organisationskulturelle Seite beleuchtet werden, kann eine solche Analyse tief hinter die Schauseite einer Organisation und ihrer Akteure vordringen. Dabei wird das Geflecht aus Interessenslagen, Mythen, Dogmen, Fiktionen, Macht- und Vertrauensstrukturen durchleuchtet und das organisationale Zusammenspiel von Entscheidungswegen, Prozessen und Zielsystemen mit den Akteuren der Organisation nachgezeichnet. Validierte Fragetechniken, eine degeneralisierende Vorgehensweise sowie eine in jahrelanger Beratungserfahrung ausgebildete Mustererkennung ermöglichen es, binnen kürzester Zeit relevante Hemmnisse und Treiber zu identifizieren.

Orientierung gewinnen, Handlungsoptionen erkennen

Auch in einem nur einwöchigen Sprint lassen sich so Freiräume für Führung identifizieren, wertvolle Orientierungshilfen geben, mikropolitisch kluge Wege der Verständigung aufzeigen und Hebel für Veränderung ansetzen. Die Organisationale Kurzanalyse ist damit ein perfektes Beratungskonzept für alle, die keine Zeit zu verlieren haben und dennoch

  • die Auswirkungen einer Reorganisation einschätzen und eigene Gestaltungsoptionen prüfen wollen
  • als neue Führungskraft schnell die richtigen Impulse setzen müssen
  • die Informalitäten ihrer Organisation erkennen wollen
  • verändertes Verhalten oder das Geschäftsmodell ihrer Kunden besser verstehen wollen
  • wiederkehrende Konflikte in ihrer Organisation erleben, denen mit klassischen Mitteln nicht beizukommen ist
  • in starker Wachstumsphase einschätzen müssen, ob und wie Organisationsstrukturen angepasst werden müssten
  • die Ursachen für Probleme eines bestimmten Projekts begreifen möchten

Klar ist: Eine Organisationale Kurzanalyse kann kein umfassendes Change-Projekt ersetzen. Mitunter steht sie aber am Beginn eines solchen – dann nämlich, wenn die Espressoanalyse weitreichenderen Veränderungsbedarf ergibt. Dank der vorgeschalteten Kurzanalyse kann das Veränderungsprojekt dann gleich präziser zugeschnitten, direkt angegangen und schneller zum Erfolg gebracht werden.

Genauso kann die Analyse aber auch erweisen, dass akuter Handlungsbedarf nicht gegeben und der eingeschlagene Weg zumindest vorerst der richtige ist. Bei der benannten Münchener IT-Beratung, ergab die Kurzanalyse, dass die existierende Organisationsform zwar absehbar an ihre Grenzen gelangen wird, für den aktuellen Entwicklungsstand aber noch passgenau ist. Die Handlungsempfehlung nach einwöchiger Intensivanalyse lautete daher, die bestehenden Organisationsstrukturen vorerst beizubehalten. Ein solches „Weiter so, jedenfalls vorerst“ kann für Führungskräfte eine enorm wertvolle Erkenntnis bilden – dann nämlich, wenn es die Prozesse, Strukturen und Notwendigkeiten im Unternehmen exakt eruiert. Genau darum geht es bei der Organisationalen Kurzanalyse.

 

Autoren


INES VOGEL

ist Senior Consultant bei Metaplan.

STEFAN KÜHL

ist Prof. für Organisationssoziologie an der Universität Bielefeld und Senior Consultant bei Metaplan.

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