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Mächtig innovativ

Gute Ideen sind das eine. Für erfolgreiche Innovation aber braucht es etwas ganz Anderes.

„Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist“, so heißt es. Was für ein edler Gedanke – und wie realitätsfern zugleich.

Tatsächlich müssen Ideen durchgesetzt werden. Wer Innovation will, darf daher die Macht nicht scheuen. Anderenfalls stirbt die beste Idee in Schönheit. Ideen, die das Zeug zur marktverändernden Innovation haben, werden gemacht.

Eine Idee muss den Vergleich zum bewährten Erfolgsmodell bestehen

Was als gut präsentiert wird, muss auch so bewertet werden – im Vergleich zu dem, was schon da ist und von den richtigen Leuten. Konkret: Was einer findigen Entwicklerin als the next big thing erscheint, bedeutet für die Produktion ggf. eine gefährliche Störung ihrer auf Kostenoptimierung getrimmten Routinen, für den Vertrieb lästige Arbeit (mit unsicheren Umsätzen) und selbst für ihre Vorgesetzte ein Risiko. Ihr wird man es anlasten, wenn am Ende Budget versenkt wurde.

Was also tun, um die Chancen einer Idee zu erhöhen?

Man muss Interessenlagen analysieren und Machtspiele spielen

Der Begriff „Machtspiele“ hat einen Beigeschmack. Tatsächlich aber gehört zu jeder guten Idee eine ebenso gute Strategie, mit der sie innerhalb und außerhalb des Unternehmens durchgesetzt wird.

>> Die etablierten Deutungen für sich nutzen Man muss geschickt an vorhandene Innovationsrhetoriken anknüpfen. Die sind meist so vage, dass eine Idee, die „nachweislich“ die Forderungen des CEO nach mehr Innovation bedient, zumindest ernsthaft geprüft werden muss. Gelingt es zusätzlich, konkurrierende Ideen freundlich zu würdigen, aber elegant aus dem Rennen zu werfen, umso besser.

>> Kompetenz behaupten Natürlich können Ideen noch keine Erfolge nachweisen. Das liegt in der Natur der Sache. Umso wichtiger ist die Kompetenzbehauptung der Innovatorin. Sie muss aus ihrer Ausbildung, noch besser aber aus ihrer Berufserfahrung (bei einem Start Up) ableiten können, dass sie weiß, was gut und richtig ist.

>> Verbündete suchen Wer eine Idee hat, dem fehlt oft der Zugang zu Entscheidungsgremien. Dort werden Budgets bewilligt und Projekte genehmigt. Gerade neue und ungewöhnliche Ideen werden früh aussortiert. In jeder Organisation gibt es aber Funktionsträgerinnen, die sich positionieren wollen. Die muss man finden und ihnen klar machen, wie man ihnen nutzen kann. Im Gegenzug muss man sie dazu bewegen, die eigene Idee in den richtigen Kreisen vorzutragen.

>> Ein trojanisches Pferd einsetzen Gerade weil nur das Bekannte gefördert wird und was dem Etablierten ähnelt, können Innovatoren ihre Ideen als Weiterentwicklung tarnen, um Budgets zu beschaffen. Ist das Projekt dann weit genug, dass es der Unternehmensöffentlichkeit präsentiert werden kann, wird im Erfolgsfall niemand zu genau hinschauen.

>> Im Mülleimer suchen Mitunter fehlt für eine Idee ein Problem – oder umgekehrt. Das viel zitierte Garbage Can Modell von Cohen, March und Olsen (1972) hat das schon vor mehr als 45 Jahren klar gemacht. Warum nicht einmal in alten Entscheidungsvorlagen stöbern oder – noch vielversprechender – mit langjährig Beschäftigten diskutieren?

>> Den richtigen Moment erwischen Wer eine Idee hat, muss sie auch zurückhalten können, bis das Problem, das sie zu lösen verspricht, für die Mächtigen so drückend wird, dass sie den Strohhalm ergreifen wollen.

Wer diese Ratschläge beherzigt und die Scheu vor der Macht überwindet, stellt bald fest: Mächtig innovativ zu sein heißt vor allem, die eigenen Handlungen strategisch vorzuplanen und die etablierten Strukturen zu nutzen. Ob die Zeit für eine Idee reif ist, entscheidet sich letztlich daran, ob sie umgesetzt wird.

 

 

Autoren


FRANK IBOLD

ist Senior Consultant bei Metaplan und berät zu Strategie- und Organisationsprozessen.

BENNET VAN WELL

ist Partner bei Metaplan und berät Managementteams zu Strategie- und Organisationsprozessen.

 

Wir danken dem Street-Art-Künstler Peekasso für die Erlaubnis, eine seiner Arbeiten in diesem Beitrag zu verwenden!

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